english VersionDeutsche Version Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig, Institut für Parasitologie (Institutsdirektor: bis 30.Sept.2001 Prof. Dr. Regine Ribbeck; ab 01.Okt.2001 Prof. Dr. A. Daugschies)
home news statistiken biologie galerie literatur presse danksagung wissenswertes

 
















 



















nach oben


















nach oben


















nach oben


















nach oben

 

I. Schadwirkungen der Federmilben
II. Schadwirkungen der Federspulmilben
III. Schadwirkungen der Federbalgmilben


I. Schadwirkungen der Federmilben

Über die Schadwirkungen der Federmilben wird in der Literatur sehr kontrovers geschrieben. Auf der einen Seite wird über erhebliche Zerstörungen des Federkleides und andere Beeinträchtigungen berichtet, was zur eindeutigen Einstufung als Parasit führt. Auf der anderen Seite werden sie als nichtpathogene, harmlose Haut- und Federbewohner eingestuft, als sog. Kommensale, die normalerweise keine Probleme für den Wirtsvogel verursachen.

So beschreibt Reinhardt (1950) die Wirkung der Federmilben auf das Geflügel: "Die Federmilben sind vielfach vollkommen unschädlich. Nur während der Mauser des Geflügels verursachen sie Wachstumsunregelmäßigkeiten und Ausfall der Federn, sowie Jucken". Borchert (1962) vertritt die selbe Meinung und fügt für Falculifer rostratus bei Tauben hinzu: "dass durch den Fraß der erwachsenen Milben und das Zupfen der Tauben das Federkleid beschädigt wird. Am stärksten betroffen sind die äußeren Enden der Schwung- und Steuerfedern, so dass nur noch der nackte Kiel erhalten ist."
Manuel u. Siores (1967) berichten über durch Federmilben (Pterolichus obtusus) hervorgerufene Federschäden bei Hühnern auf den Philipinen. Besonders die Steuerfedern, Schwungfedern sowie die Flügeldeck- und Schwanzdeckfedern waren betroffen.
Nach Vogel (1969): "...tragen stark befallene Tauben häufig ein ungepflegtes Federkleid, sind ständig mit dem Putzen beschäftigt und in ihrem Flugvermögen beeinträchtigt. Massenhaft auftretende Parasiten besiedeln die Schwung- und Steuerfedern, so dass diese spröde werden und leicht abbrechen. Das Gefieder lässt hierdurch den seidigen Grauschimmer und charakteristischen Glanz vermissen. Die Federn können durch zerstörte Haken- und Bogenstrahlen zerschlissen sein."
Auch Pillers (1927) berichtet über Perforationen in Taubenfedern, die auf die Federmilbe Falculifer rostratus zurückzuführen sind.
Hiepe u.a. (1962) sowie Hiepe und Ribbeck (1982) stufen die Federmilben eindeutig als Parasiten ein und beschreiben Schädigungen durch Federmilben in Entenbeständen. Die beobachteten Beschädigungen des Federkleides beeinträchtigen das Schwimmvermögen, so dass sie nicht mehr in der Lage sind eine normale Schwimmhaltung einzuhalten und mitunter ertrinken können. Weiterhin kann ein Federmilbenbefall zu Fruchtbarkeitsstörungen der Erpel führen.
Nach Dabert und Ehrnsberger (1996) ist der Schaden für die Wirte in den meisten Fällen unerheblich und nach Gylstorff und Grimm (1998) verlieren die Federn ihre normale Richtung, biegen sich und brechen ab. "Die Milben der Familie Ascouracaridae besiedeln häufig die leeren Innenräume der Federn, also die Spulen und den basalen Teil des Schaftes. Von hier aus fressen sie lange Korridore in die schwammartige Substanz des Federschaftes und können dabei große Schäden anrichten, wodurch die Stabilität der Deckfedern geschwächt wird," berichten Dabert und Ehrnsberger (1995).
Baker untersuchte (1996) in Großbritannien 198 Schauwellensittiche mit Federschäden. Bei 18,2 % dieser Tiere wurde ein Federmilbenbefall als Ursache für diese Federschäden festgestellt. Damit standen die Federmilben bereits an 3. Stelle der Ursachen für Federschäden bei diesen Wellensittichen.
Ein anderer Aspekt der Schadwirkung von Federmilben ist ihre potentielle Rolle als Allergen für den Menschen. Colloff u.a. (1997) berichten über allergische Erkrankungen bei Tauben- und Wellensittichzüchtern, die durch Federmilben verursacht wurden.

Nach unseren Erfahrungen, die wir an mit Federmilben befallenen lebenden einheimischen Wildvögeln, an Heimvögeln (aus Käfig und Voliere), Wild- und Haustauben sowie aus verunfallten Wildvögeln und Federn aus Rupfungen sammeln konnten, können wir die in der Literatur beschriebenen durch Federmilben verursachten Schäden nicht bestätigen. Auch massivst befallene (mit mehreren Tausend Federmilben) Vögel zeigten keine offensichtlichen Federschäden. Die lebenden Vögel zeigten keinen vermehrten Putztrieb bzw. den Anschein, dass sie auf ein Juckgefühl reagieren müssten.



II. Schadwirkungen der Federspulmilben

Reinhardt (1950) stellt fest: "Außer Ausfall der Federn und Erschwerung der Mauserung scheinen die Milben (Spulmilben) keinen Schaden zu machen".
Borchert (1962) ist der Meinung, dass "der Befall den Gesundheitszustand der Vögel nicht wesentlich zu beeinträchtigen scheint". Auch für Vogel (1969) ist für die Tauben die Schadwirkung gering.
Kummerfeld (1982) schätzt die Bedeutung der Spulmilben als Federschädlinge als gering ein, es sollte jedoch bei Federausfall als mögliche Ursache an Federspulmilben gedacht werden.

Dagegen schildern Fritzsche und Gerriets (1959) die Schadwirkungen durch einen Federspulmilbenbefall wie folgt: "... Dabei zernagen sie die Kiele und füllen die Hohlräume mit einer gelblich- grauen pulvrigen Masse. Die Federn verlieren dabei ihre normale Stellung, biegen sich ab und fallen vorzeitig aus".
Quinten (1998) berichtet, dass mit Federspulmilben befallene Federn häufig abbrechen und zu Federmissbildungen führen können.
Nach Kummerfeld (1999) zerfressen die Federspulmilben die Markkappen der Federspulen und führen je nach Befallsstärke und vermutlich den Invasionszeitpunkt zu unausgereiften, brüchigen Federn.

Bislang konnten wir Federspulmilben nur bei Wildvögeln nachweisen. Bei diesen Vögeln konnten wir weder Lücken im Federkleid, locker sitzende oder brüchige Federn noch sonstige offensichtliche Veränderungen feststellen.



III. Schadwirkungen der Federbalgmilben

Nach Reinhardt (1950) "...kommt die Federbalgmilbe bei der Taube, bei Sperlingsvögeln, Lerchen, Papageien usw. vorzugsweise unter den Flügeln und an der Unterbrust in gelben, erbsen- bis bohnengroßen Zysten, die erweiterten Federbälge, vor. ... Bei gehäuftem Vorkommen kann das Geflügel unter Federausfall und Abmagerung eingehen".
Auch Borchert (1962) beschreibt die Schadwirkungen der Federbalgmilben wie Reinhardt. Ähnlich schätzen auch Hiepe und Ribbeck (1982) die Schadwirkung ein: "Durch die Entzündung der Federbälge kommt es zum Ausfallen der Federn, bei hoher Befallsintensität treten Körpermasseverluste, unter Umständen auch Todesfälle auf".
Vogel (1969), Hiepe und Ribbeck (1982) und Kummerfeld (1982) weisen daraufhin, dass aufgrund der Lebensweise der Federbalgmilben - die Weibchen bohren sich zur Eiablage auch direkt in die Haut ein und legen dort ihre Eier ab - es zur Verdickung und Entzündung der Haut kommen kann.

Lit.:

Baker, J.R. (1996): Survey of feather diseases of exhibition budgerigars in the United Kingdom. Vet. Rec. 139: 590-594.

Borchert, A. (1962): Lehrbuch der Parasitologie für Tierärzte. Hirzel Verlag Leipzig, 3. Aufl.

Colloff, M.J.; Mertens, T.G.; Merrett, J. (1997): Feather mites are potntially on important source of allergens for pigeon and budgerigar keepers. Clin. Exp. Allergy 27: 60-67.

Dabert, J. und Ehrnsberger, R. (1995): Vassilevascus gen. nov., a new genus of the family Ascouracaridae Gaud & Atyeo, 1976 ( Astigmata; Pterolichoidea). Osnabrücker Naturwiss. Mitt. 20/ 21: 95-100.

Dabert, J. und Ehrnsberger, R. (1996): Four new species of the feather mite genus Sokoloviana Dubinin. 1951 ( Pterolichoidea; Ptiloxenidae) from waders ( Charadriiformes; Charadrii). Osnabrücker Naturwiss. Mitt. 22: 135-163.

Fritzsche, K. und Gerriets, E. (1959): Geflügelkrankheiten. Paul Parey, Berlin und Hamburg.

Gylstorff, J. und Grimm, F. (1998): Vogelkrankheiten. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. 2.Aufl.

Hiepe, Th.; Ebner, D.; Buchwaldner, R. (1962): Vorkommen, Schadwirkung znd Bekämpfung des Megninia-Befalles bei Enten. Monatshefte für Veterinärmedizin 17: 605-610.

Hiepe, Th. und Ribbeck, R. (1982): Veterinärmedizinische Arachno - Entomologie. Bd. 4, In: Th. Hiepe (Hrsg.) Lehrbuch der Parasitologie. Gustav Fischer Verlag Jena.

Kummerfeld, N. (1982): Milben und Federlinge bei Ziervögeln und Tauben. Der Praktische Tierarzt, 63: 36-40.

Kummerfeld, N. (1999): Parasitäre Erkrankungen. In: Kaleta, E. u. M.E. Krautwald-Junghanns (Hrsg.) (1999) : Kompendium der Ziervogelkrankheiten. Schlütersche , Hannover

Manuel, M.F.; Siores, F. (1967): Pterolichus obtusus, Robin1868, a common feather-mite of chickens in the Philippines.The Indian Veterinary Journal 44: 1032-1035.

Pillers, N.A.W. (1927): Perforations in pigeon`s feather dueto the mites Falculifer rostratus Buchholz.The Veterinary Journal: 410-413.

Quinten, Doris (1998): Ziervogelkrankheiten. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart.

Reinhardt, R. (1950): Lehrbuch der Geflügelkrankheiten. Verlag M.& H. Schaper, Hannover, 4.Aufl..

Vogel, K. (1969): Die Taube - Taubenkrankheiten. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin.