english VersionDeutsche Version Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig, Institut für Parasitologie (Institutsdirektor: bis 30.Sept.2001 Prof. Dr. Regine Ribbeck; ab 01.Okt.2001 Prof. Dr. A. Daugschies)
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I. Nachweis von Federmilben der Überfamilien
II. Nachweis von Federspulenmilben
III. Nachweis von Federbalgmilben


I. Nachweis von Federmilben der Überfamilien
(Analgoidea, Freyanoidea und Pterolichoidea)

Das Nachweisen von Federmilben erfordert je nach Zielstellung eine spezielle Herangehensweise.

Zu berücksichtigen sind Lebensweise, Entwicklungszyklus und Größe der Federmilben, die Wirtsart, die Hauptbesiedlungsflächen, die Struktur und Farbe der Federn sowie die Art, das Alter und die bisherige Lagerung des Untersuchungsmaterials. Auch die Jahreszeit ist von Belang, da der Befall mit Federmilben bei vielen Vögeln im Winter geringer als im Sommer ist, bei einzelnen Arten sogar nur Ruhestadien vorhanden sind. Man kann Federmilben unter dem Stereomikroskop am lebenden und toten Vogel (je kleiner der Vogel desto besser), auf ausgezogenen oder ausgefallenen Federn (Mauserfedern), auf Rupfungsfedern sowie auch auf Vogelpräparaten oder Federsammlungen jeden Alters nachweisen. Jeder Nachweis schließt mit der Bestimmung der Art ab.

Federmilben sind in der Regel mikroskopisch klein und werden deshalb sehr oft übersehen. Der geübte Untersucher erkennt einen starken Befall mit größeren Federmilben (über 500 µm) oder bei einen Massenbefall durch Betrachtung der Federunterseite mit guter Lichtquelle oder durch Halten gegen eine Lichtquelle. Eine Lupe ist dabei oft sehr hilfreich. Auf hellen Federn markieren sich vor allem sklerotisierte oder farbige Federmilben deutlicher ab als bei dunkleren Federn. Halten sich die Federmilben verstreut auf den Radien auf, sind sie auf dunkleren Federn als kleine helle Punkte zu sehen bzw. zu vermuten. Kleinere Milben sowie die kleineren Larvenstadien sind bei geringem Befall nur unter dem Mikroskop zu erkennen.

Die exakte Diagnose erfolgt stets durch den mikroskopischen Milbennachweis.

Werden Vögel in der tierärztlichen Praxis wegen Veränderungen durch Federmilben an den Federn (dunkle Bereiche, Punkte oder Streifen bei hellen Federn oder helle Punkte und Streifen bei dunklen Federn) vorgestellt, führt die mikroskopische Untersuchung der befallenen Stellen schnell zum Ziel. Soll bei einem Vogel Milbenfreiheit festgestellt werden (z.B. bei Eingliederung in einen freien Bestand), ist die Kenntnis der Lebensweise der für den zu untersuchenden Vogel typischen Federmilbe(n) Voraussetzung. Ist diese nicht bekannt (leider noch bei fast allen Federmilben), sind praktisch alle Flügel (Schwingen-) und Schwanzfedern sowie die größeren Deckfedern zu durchmustern. Da keine absolute Freiheit bestätigt werden kann, ist zur Erhöhung der Sicherheit eine erneute Untersuchung nach ca. 14 Tagen vorzunehmen.

Ist die Artbestimmung der Milben das Ziel, ist zu bedenken, dass bei manchen Vögeln mehrere Milbenarten gleichzeitig vorkommen, so z.B. beim Wellensittich und der Amsel. Es gibt Milben, die sich auf den großen Flügelfedern (Hand- und Armschwingen) und auf den Schwanzfedern aufhalten. Andere besiedeln nur den Flügel oder nur den Schwanz. Bestimmte Federmilbenarten bevorzugen nur einen abgegrenzten Bereich des Flügels, während sie auf den anderen Flügelfedern nicht zu finden sind. So sind beim Mauersegler die Federmilben Eusthathia cultrifer und Chauliacia securigera vor allem auf der zweiten Handschwinge zu finden. Bis zur siebenten Handschwinge nimmt die Zahl der Milben erheblich ab und die folgenden Schwingen werden nicht oder nur zufällig von den Milben aufgesucht (Dogiel, 1963). So kann es zu einem falsch negativen Ergebnis kommen, wenn man Federn ab der 8. Armschwinge untersucht. Dubinina (1937) stellte fest, dass Nachtreiher, die in der ersten Aprilhälfte im Wolga-Delta erscheinen, kein einziges adultes Exemplar der für sie typischen Federmilbe Pterolichus ardeae aufweisen. Erst ab dem 18. April sind einige Individuen nachweisbar. Das ganze Unterhautbindegewebe der ankommenden Reiher ist jedoch von Deutonymphen (Ruhestadium) der Milben überfüllt. Durch diese Verhaltensweise schützt sich die Milbe vor dem Abstreifen bei den langen Wanderungen von mehreren tausend Kilometern. Auch hier würde eine Untersuchung der Federn vor dem 18. April zu einem falsch negativen Ergebnis führen, wenn die Untersuchung der Unterhaut unterbleibt.

Die Milben befinden sich normalerweise stets auf der Unterseite der Federn. Nur bei Störungen z. B. durch Manipulationen des Untersuchers oder durch starken Lichteinfall können Milben zur Flucht von ihren bevorzugten Aufenthaltplätzen getrieben werden, wobei sie auch gelegentlich über die Federoberseite wandern.

Eine Besonderheit wird bei den Federn der Entenartigen und anderen Wasservögeln beobachtet. Hier bilden die verbreiteten Innenränder der Strahlen (Radien) sogenannte "Luftkorridore". Es wird dabei durch ein Abknicken der Innenstrahlen eine Röhre gebildet. Dies verhindert das Wegspülen der Milben. Sie entziehen sich somit aber auch der Betrachtung. Die Unterseite der Federn bildet in dem Bereich der Luftkorridore eine einheitliche Fläche, die sich auf der Innenfahne befindet und fast deren Hälfte einnimmt. Es ist erforderlich, diese Röhren durch Auseinanderziehen der Radien zu öffnen, um einen Befall festzustellen.

Die besten und realistischsten Nachweise gelingen an lebenden oder frisch toten (Verkehrsunfallopfer) Vögeln. Hierbei sind noch keine Milben abgewandert, und sie sitzen noch an den arttypischen Stellen im Federkleid. Mauserfedern und Rupfungsfedern sind häufig auch von freilebenden Milben besiedelt, so dass auf eine exakte Bestimmung geachtet werden muss. Da die Lebensdauer der Milben begrenzt ist und die Tiere bei trockener Lagerung schneller absterben, ist der Nachweis bei älterem Untersuchungsmaterial nur über abgestorbene Milben oder Häutungsreste möglich.

Untersuchungstechnik: Ein Stereomikroskop mit Messeinrichtung ist das geeignetste Untersuchungsgerät. Der relativ große Bildausschnitt erlaubt zusätzlich ein räumliches Sehen, so dass die Feder in ihrer ganzen Struktur betrachtet werden kann. Ein leichtes Drehen des Schaftes gewährt Einblick in die entlegendsten Winkel der Feder. Auch das Gefieder eines lebenden Vogels (von Großvögeln abgesehen) kann unter einem Stereomikroskop betrachtet werden. Der so erhaltene Überblick gestattet eine gezielte Federentnahme zur Bestimmung der Milbenart. Für die Untersuchung einzelner Federn ist auch ein normales Labormikroskop geeignet, es erschwert aber die Arbeit wegen eines zu kleinen Bildausschnittes und des nicht vorhandenen räumlichen Sehens. Die Federstrukturen der Oberseite, zumal bei dunkleren Federn, verhindern bei der Betrachtung mit dem Stereomikroskop ein Erkennen der Federmilben auf der Unterseite. Bei Verwendung eines Durchlichtmikroskopes (Labormikroskop) besteht auch die Möglichkeit, in einzelnen Fällen Federmilben auf der Unterseite zu erkennen. Es ist deshalb die Forderung zu stellen, stets die Optik auf die Federunterseite zu richten. Zur Bestimmung der Federmilbenart ist eine Entnahme mittels feiner Präpariernadel und das Präparieren (siehe unter Präparation) erforderlich.

Behandlung des Untersuchungsmaterials:

Lebende Vögel sind entsprechend der Tierschutztransportverordnung zu versorgen und dem Untersucher zuzuführen. Tote Vögel sollten in verschließbare Folietüten verpackt und unter Kühlbedingungen gelagert werden. Durch die abgeschlossene und kühle Lagerung bleiben die Milben vor Austrocknung geschützt und leben relativ lange (bis 3 Wochen). Wenn nicht umgehend ein Transport zur Untersuchungseinrichtung möglich ist, ist ein einfrieren auch möglich. Ausgezogene oder frisch ausgefallene Federn sind entsprechend den toten Vögeln zu behandeln. Rupfungsfedern sind ebenso zu behandeln, müssen aber sehr sorgsam aufgesammelt werden, da oft Federn von zwei oder mehreren Vögeln am Rupfungsplatz übereinander oder eng beieinander liegen können. Die exakte Bestimmung der Rupfungsfedern nach ihrer Vogelherkunft erfordert natürlich ausgezeichnetes ornithologisches Spezialwissen. Ältere Federn, wo keine lebenden Milben mehr erwartet werden oder sehr alte Federn müssen ganz behutsam behandelt werden, da mit jeder Manipulation Milben und Milbenreste verloren gehen können. Ein Verbringen in eine verschließbare Folietüte ist auch hier ratsam, da abgefallene Milben in der Folietüte aufgefunden werden können. Selbstredend ist die Erfolgsquote bei älteren Federn aus Sammlungen wesentlich geringer.

Bestimmung der Federmilben:

Die Bestimmung der nachgewiesenen Federmilben erfordert eine intensive Beschäftigung mit systematisch-taxonomischer Spezialliteratur. Die systematisch-taxonomischen Forschungen der letzten Jahre haben zu einer Vielzahl von Neubeschreibungen und Änderungen der Zuordnungen geführt, so dass eine ständige Bewegung in der Benennung der Federmilben festzustellen ist. Dies wird sich noch verstärken, wenn zunehmend molekularbiologische Untersuchungsmethoden in diesem Fachgebiet angewandt werden. Ist der Wirtsvogel bekannt, kann Spezialliteratur, die Auskunft über die bisher beschriebenen Federmilbenarten der Vögel gibt, hilfreich sein. Ebenso ist es unter Umständen möglich anhand eindeutig bestimmter Federmilben den zugehörigen Wirt zu finden, wenn nur wenige nicht sehr aussagekräftige Federn vorhanden sind. Außerdem gibt es eine Reihe von Vogelarten, die sich sehr ähnlich sehen und deshalb nur sicher über den Gesang zu unterscheiden sind und somit über ihre Federmilben zuzuordnen sind. Viele Vogelarten wechseln ihre Federkleider in ihrer Entwicklung sehr häufig bis zum Adulten (Alterskleid) und sind somit auch manchmal vom versierten Ornithologen nicht sofort zu erkennen. So wird das Jugendkleid durch das Alterskleid ersetzt, das wiederum wechselt bei verschiedenen Arten zwischen dem Pracht- (Brutkleid) und Schlichtkleid (Ruhekleid). Andere Vogelarten legen nach dem Jugendkleid das Erste Winterkleid und danach das Erste Sommerkleid an ehe sie das Alterskleid anlegen. Großvögel wie Möven tragen bis zu 3 Sommer- und 3 Winterkleider bis sie ihr endgültiges Alterskleid haben. Hierbei kann der erfahrene Parasitologe hilfreich für den Ornithologen sein.



II. Nachweis von Federspulmilben

Da Federspulmilben hauptsächlich in der Federspule und im Federschaft leben (mit Ausnahme der Zeit der Auswanderung und Neubesiedlung), ist der Nachweis vordergründig mit der Untersuchung der Spule und des Schaftes zu führen. Bei massiven Befall sind die großen und kleineren Flügeldeckfedern mit in die Untersuchung einzubeziehen.

Das hat zur Folge, dass die Suche nach Federspulmilben am lebenden Vogel kaum Erfolg verspricht. Außer man kann die Feder so unter dem Mikroskop positionieren, dass man die Bohrlöcher einiger Milbenarten dorsal an der Außenfahne unmittelbar am Federansatz erkennen kann.

In der Regel ist man auf abgestoßene (Mauserfedern) oder abgebrochene Federn angewiesen. Bei Vögeln mit Gefiederschäden sind Federn, unter Einhaltung der Tierschutzbedingungen, d. h. bei Großvögeln unter Narkose, zu ziehen. Auch die als Rest noch in der Haut befindlichen Spulen sind zu ziehen.

Sollen tote Vögel oder Rupfungen auf Federspulmilben untersucht werden, sind alle Schwung- und Steuerfedern zu untersuchen. Der Grund liegt darin, dass bei geringem Befall nur einzelne Federn betroffen sind. So haben wir bei einer verunfallten Heckenbraunnelle (Prunella modularis) auf dem linken Flügel nur in der 1. Armschwinge und auf dem rechten Flügel nur in der 4. Armschwinge Federspulmilben nachweisen können. Dagegen war eine Singdrossel (Turdus philomelos) von der 1. Handschwinge bis zur 18. Armschwinge durchweg befallen. Bei einer Wachholderdrossel (Turdus pilaris) war der Befall von der 5. Handschwinge bis zur 16. Armschwinge nachzuweisen. Ein Haussperling (Passer domesticus) und ein Grünfink (Chloris chloris) zeigten sogar einen Befall der großen und kleineren Flügeldeckfedern.

Bei unseren Funden waren die Federspulen stets strukturiert, also mit Inhalt ausgefüllt. Dieser besteht bei befallenen Spulen aus Häutungsresten (Exuvien), Kot, Eiern, abgestorbenen und lebenden Milben und deren Entwicklungsstadien und weist eine leicht gelbliche Farbe auf. Manchmal ist die Spule äußerlich von noppenähnlichen Erhebungen besetzt. Die in der Literatur vereinzelt geäußerte Meinung, dass die befallenen Kiele durch Blutgerinnsel rötlich schwarz verfärbt seien, konnten wir bislang nicht vorfinden. Bei einer Amsel waren die Spulen insgesamt dunkel verfärbt, so dass die Strukturen nicht zu erkennen waren. Nicht befallene Federn haben mehr oder weniger durchsichtige Spulen.

Die zu betrachteten Spulen sind mit einem Skalpell unterm Mikroskop vorsichtig aufzuschneiden. Die Milben werden mit einer Präpariernadel zur Untersuchung aufgenommen.

eröffnete Federspule Grünfink Syringophilopsis

Die Präparation sowie Bestimmung der Federspulmilben geschieht wie für Federmilben beschrieben.



III. Nachweis von Federbalgmilben

Federbalgmilben konnten wir bislang nicht nachweisen.

Nach Hiepe und Ribbeck (1982) leben Federbalgmilben kolonieweise in den Federbälgen meist an der Unterbrust. Die Federpapillen können bohnenförmig entzündete Hautknoten bilden. Der gelbweiße Inhalt besteht aus Hunderten von adulten Milben, Larven und Eiern. Die Milben bohren sich auch direkt in die Haut ein und legen dort ihre Eier ab.

Werden diese Hautveränderungen vorgefunden, liegt der Verdacht auf Federbalgmilben nahe. Zu bedenken dabei ist, dass bei bestimmten Vogelarten, besonders dem Kanarienvogel, relativ häufig genetisch bedingte Federbalgzysten vorkommen.

Zum Nachweis sind die entzündeten Federbälge unterm Mikroskop auf Federbalgmilben zu untersuchen. Dabei sind die Zysten mit einem Skalpell vorsichtig zu öffnen und auszuräumen.

Die Bestimmung der Federbalgmilben entspricht der Vorgehensweise wie für Federmilben beschrieben.



Lit.:

Dogiel, A. (1963): Allgemeine Parasitologie. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Dubinina, M. (1973): Die Parasitenfauna des Nachtreihers (Nycticorax nycticorax) und ihre Veränderungen infolge Wanderung des Wirtes. Zool. J. Leningrad 16: 547-573.

Hiepe, Th. und Ribbeck, R. (1982): Veterinärmedizinische Arachno-Entomologie, Bd. 4, In: Hiepe, Th. (Hrsg.) Lehrbuch der Parasitologie. Gustav Fischer Verlag, Jena.