english VersionDeutsche Version Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig, Institut für Parasitologie (Institutsdirektor: bis 30.Sept.2001 Prof. Dr. Regine Ribbeck; ab 01.Okt.2001 Prof. Dr. A. Daugschies)
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I. Bekämpfung der Federmilben
II. Bekämpfung der Federspulmilben
III. Bekämpfung der Federbalgmilben


I. Bekämpfung der Federmilben

Um 1950 (Reinhardt) wurden Federmilben des Nutzgeflügels noch durch Einreiben mit einer Pudermischung aus 1 Teil Natriumfluorid und 4 Teilen Talkum, aber auch schon mittels Kontaktinsektiziden auf DDT- oder DDD-Basis u.a., behandelt. Vogel (1969) bevorzugte zur Bekämpfung der Federmilben bei Tauben ein insektizidhaltiges Tauchbad, wobei der Körper mit Ausnahme des Kopfes etwa 60 Sekunden lang in der entsprechenden Lösung eingetaucht wurde. Danach wurden die Tauben bis zur völligen Gefiedertrocknung in einem warmen Raum verbracht. Wegen gefährlicher Rückstandsbildung wurde die Herstellung und Anwendung von DDT in Deutschland bereits 1972 untersagt. Nach Hiepe und Ribbeck (1982) sind Federmilben durch eine zweimalige lokale Behandlung mit Akariziden im Abstand von 10 Tagen zu bekämpfen. Hierbei werden die Milben durch Einsprayen oder Einpudern mit Insektiziden, z.B.: Pyrethrumverbindungen, chlorierte Kohlenwasserstoffe (Lindan, Jacutin) oder Bromociclen (Alugan) sowie organische Phosphorverbindungen (Trichlorfon, Dichlorvos) abgetötet.

In den Folgejahren sind keine neueren Bekämpfungsmethoden und -mittel hinzugekommen, wie die Verweise auf Pyrethrumverbindungen, Pyrethroide, Carbamate und organische Phosphorverbindungen von Eckert u.a. (1992) sowie Ritchie (1994) verdeutlichen.

In den neunziger Jahren wurde, in Anlehnung an die guten Erfolge mittels Ivermectin (Ivomec®) gegen eine Vielzahl von Parasitenarten bei fast allen Haustieren, dieser Wirkstoff auch zur Bekämpfung von Milben und Federlingen beim Vogel angewendet. Ivermectin kann beim Vogel auf die Haut getropft werden - sog. Spot-on-Verfahren. Es wirkt systemisch, das heißt es wird über die Haut resorbiert und über Blut und Gewebeflüssigkeit im ganzen Körper verteilt. Quinten (1998) zieht diese Behandlung einer Bekämpfung mit insektizidhaltigen Puder vor.

Dagegen wird von Kummerfeld (1999) bei Federmilben der Einsatz von Kontaktinsektiziden als Puder empfohlen.

Wir haben Behandlungsversuche bei mit Dubininia melopsittaci befallenen Vielfarbensittichen (Psephotus varius) im Spot-on-Verfahren mit Ivomec® (Ivermectin Merial) und Stronghold® (Selamectin Pfizer) durchgeführt.

Es wurden pro Vogel (das Durchschnittskörpergewicht bei Vielfarbensittichen beträgt 60-70 g) jeweils ein Tropfen Ivomec® S o,27 % (Ferkel und Läufer) oder Stronghold® 15 mg auf die unbefiederte Nackenhaut aufgetropft.

Ivomec® führte nach 2 Tagen bereits zu einer deutlichen Reduzierung und einen sichtbaren Mobilitätsverlust der noch lebenden Milben. Nach 14 Tagen waren keine lebenden Milben mehr feststellbar.

Stronghold® wirkt ebenso wie Ivomec systemisch. 8 Tage nach dem Auftropfen auf die Haut waren alle Milben abgetötet. Bei beiden systemisch wirkenden Insektiziden war festzustellen, dass die Milben auf den Flügelfedern wesentlich früher auf die Behandlung reagierten, als auf den Schwanzfedern.

Eine weitere Versuchsreihe mit der doppelten Dosis Stronghold® (zwei Tropfen im Spot-on-Verfahren) zeigte keine Veränderung in der Verträglichkeit und Wirkung.

Eine Wiederholungsbehandlung ist nach 14 Tagen anzuraten, da eventuell aus Eiern geschlüpfte Larven durch die Behandlung nicht erfasst werden.

Bei Nachweis von Federmilben in einem Bestand sind alle Vögel zu behandeln, um einer erneuten Ausbreitung der Federmilben vorzubeugen.

Da Mauserfedern sehr häufig noch von Federmilben besiedelt sind sowie aus dem Gefieder gefallene Milben vorhanden sein können, ist die Umgebung des einzeln gehaltenen Vogels oder des Vogelbestandes als begleitende Maßnahme gründlich zu reinigen und mit einem akarizidhaltigen Desinfektionsmittel bzw. Akarizidspray zu desinfizieren.



II. Bekämpfung der Federspulmilben

Obwohl Borchert (1962), Vogel (1969) und Kummerfeld (1981) zur Bekämpfung der Federspulmilben Tauchbäder in insektizidhaltiger Flüssigkeit (Vogel fordert Tauchbäder in vierwöchigen Abstand) sowie Kummerfeld auch die Behandlung mit Akariziden in Flüssig-, Puder- oder Aerosolform vorschlagen, stellen Hiepe und Ribbeck (1982) fest, dass ein sicher wirksames Bekämpfungsverfahren gegen Federspulmilben bislang nicht bekannt sei.

Vogel vertritt die Meinung, dass sich Invasionen mit Syringophilus bipectinatus verhüten lassen, wenn sich Tauben regelmäßig baden können.

Dorrestein u.a. (1997) haben beim Kanarienvogel die in den Federspulen lebenden Federmilben Dermoglyphus passerinus mit 0,02 % Ivermectin (in Propylenglykoll gelöst) in einer Dosierung von 0,2 mg/kg Körpermasse s.c. oder durch Auftropfen erfolgreich bekämpft. Sie empfehlen eine Kontrolluntersuchung nach 6-11 Tagen. Bei Vorhandensein von lebenden Milben werden die befallenen Vögel auf gleiche Weise nochmals behandelt. In der Regel sind am 15. Tag nach der Behandlung keine Milben mehr vorhanden. Nach 4 Wochen waren alle Vögel des Bestandes negativ.

Nach Quinten (1998) und Kaleta u.a. (1999) hat sich bei Federspulmilben das Spot-on-Verfahren mit Ivomec® bewährt.

Eigene Erfahrung bei der Bekämpfung der Federspulmilben haben wir bislang nicht.



III. Bekämpfung der Federbalgmilben

Reinhardt (1950) und Borchert (1962) empfehlen bei einem Befall mit Federbalgmilben das Einschneiden der Knoten und Ausquetschen des Inhaltes mit anschließender Einreibung eines Perubalsam-Alkoholgemisches.

Vogel (1969) und Kummerfeld (1981) geben auch Tauchbäder zur Bekämpfung an. Kummerfeld hat aber auch gute Erfahrung mit lokalem Auftragen von Odylen nach Rupfen der entsprechenden Hautbezirke gemacht.

Hiepe und Ribbeck (1982) waren spezifische Bekämpfungsmaßnahmen gegen Federbalgmilben nicht bekannt.

Aufgrund der Wirksamkeit von Ivomec® gegen Federspulmilben und Stronghold® gegen Federmilben ist u.E. mit einem Behandlungserfolg durch Einsatz dieser Antiparasitaria bei Federbalgmilbenbefall ebenfalls zu rechnen.



Lit.:

Borchert, A. (1962): Lehrbuch der Parasitologie für Tierärzte. Hirzel Verlag Leipzig, 3. Aufl.

Dorrestein, G. M., Horst, H. H.A. van der, Cremers, H.J.W.M., Hage, M. van der (1997): Quill mite (Dermoglyphus passerinus) infestation of canaries (Serinus canaria): diagnosis and treatment. Avian Pathology 26: 195-199.

Eckert, J., Kutzer, E., Rommel, M., Bürger, H.-J. und Körting, W. (1992): Veterinärmedizinische Parasitologie. Verlag Paul Paray.

Hiepe, Th. und Ribbeck, R. (1982): Veterinärmedizinische Arachno - Entomologie. Bd. 4, In: Th. Hiepe (Hrsg.) Lehrbuch der Parasitologie. Gustav Fischer Verlag Jena.

Kummerfeld, N. (1981): Milben und Federlinge bei Ziervögeln und Tauben. Der Praktische Tierarzt, 63: 36-40.

Kummerfeld, N. (1999): Parasitäre Erkrankungen. In: Kaleta, E. u. M.E. Krautwald-Junghanns (Hrsg.) (1999) : Kompendium der Ziervogelkrankheiten. Schlütersche , Hannover

Quinten, Doris (1998): Ziervogelkrankheiten. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart.

Reinhardt, R. (1950): Lehrbuch der Geflügelkrankheiten. Verlag M.& H. Schaper, Hannover, 4.Aufl.

Ritchie, B.W., Harrison, G.J. and L.R. Harrison (1994): Avian medicine: Principles and application. Wingers Publishing Inc., Lake Wortzh, Florida.

Vogel, K. (1969): Die Taube - Taubenkrankheiten. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin.